Schnellertollermeier

Konzert #207
Freitag, 12. Mai 2017, 20 Uhr

Andi Schnellmann - electric bass
Manuel Troller - electric guitar
David Meier - drums

Ist das noch Jazz? Wer das Schweizer Trio Schnellertollermeier einmal live erlebt hat (etwa 2016 beim Festival in Moers) oder dessen großartiges Studioalbum »X« aus dem Jahr 2015 kennt, wird vermutlich nach ganz anderen Referenzen suchen: New Postrock, Rockjazz des 21. Jahrhunderts? Schubladen sind bekanntlich schnell gefunden und dann doch meistens viel zu klein.

Richtig ist sicherlich eins: Traditionelle Jazzerfahrungen werden von den Schweizern radikal über den Haufen geworfen. Die Auftritte des Trios sind Erlebnisse aus Power und Dynamik, Repetivität und Meditation, Beschleunigung und Auflösung, gespeist aus brachialem Rock, Hardcore-Jazz, Minimal Music, Punk, Noise und mehr. Bei Schnellertollermeier verschmelzen nicht nur die Namen die Musiker, auch musikalisch klingt die Band wie ein einziger kompakter Organismus.

Tatsächlich ist das immer noch junge Trio schon über ein Jahrzehnt zusammen. 2015 gelingt den Musikern mit ihrem Album »X« so etwas wie ein Durchbruch. Selbst in den USA ist man begeistert. Im renommierten Wall Street Journal rangiert »X« unter den 12 besten Alben des Jahres 2015 und damit in einer Linie mit Björk oder dem neuen Hip-Hop-Star Kendrick Lamar.

Allein das 20-minütige Titelstück ist ein komplexes musikalisches Monster: Dissonanz und Harmonie, Melodien, die zu Bruch gehen, dynamische Steigerungen und polyrhythmische Aggressivität – vieles passiert im selben Moment und die Ohren müssen sich anstrengen, nichts zu verpassen. Hat man eben noch an eine moderne Version von King Crimson gedacht, drängt sich als nächste Referenz vielleicht Sonic Youth oder jemand anders ins Ohr, aber im Grunde ist das Stück ein selbstbewusstes Manifest, das solche Anknüpfungen überhaupt nicht braucht, zumal sie schnell verflogen sind.

Zur Frage, ob das denn noch Jazz sei, meint Bassist Andi Schnellmann: »Für mich ist Jazz weniger eine bestimmte Stilistik als vielmehr eine Einstellung, wie wir das Material angehen. Es geht um die Freiheit, auszuprobieren und auch Ungewohntes zu platzieren.« Das bedeute, immer wieder auch den herkömmlichen Gebrauch der Instrumente aufzulösen. »Wichtig sind uns der Sound und die Energie der Band als Ganzes.«

»Irgendwo zwischen freier Improvisation, Hardcore-Jazz, Punk & Funk und brachialer Rockmusik spielt dieses Schweizer Trio den Jazz von übermorgen.«
Jazzpodium