Absolutely Sweet Marie »The Music of Bob Dylan«

Konzert #204
Freitag, 3. Februar 2017, 20 Uhr

Steffen Faul - trumpet & pocket trumpet
Alexander Beierbach - tenor sax
Matthias Müller - trombone
Max Andrzejewski - drums

»Absolutely Sweet Marie« heißt ein Song auf dem Jahrhundertalbum »Blonde On Blonde« von Bob Dylan aus dem Jahr 1966. Wenig verwunderlich also, dass eine Band, die diesen Songtitel für sich als Namen gewählt hat, nur ein Thema kennt. Bemerkenswerter ist da schon, dass sie Dylans Texte ausklammert, also genau das, wofür der Songpoet gerade erst mit dem Literaturnobelpreis geehrt worden ist. Kann das funktionieren?

»Wir lassen die Texte bewusst weg – keiner von uns möchte singen«, sagt Bandleader Alexander Beierbach und sieht sein Quartett nicht als Coverband: »Es geht wirklich darum zu schauen, was passiert mit uns und unserem Bandsound, wenn wir uns von Bob Dylan inspirieren lassen, was können wir damit machen.« Dylans Musik werde bearbeitet, verarbeitet und zum Teil transformiert. Wer dessen Lieblingsstücke unbedingt mitsummen oder mitsingen möchte, kommt deshalb bei Absolutely Sweet Marie nicht immer auf seine Kosten, lernt dafür aber ganz neue Seiten des Musikers kennen.

Das ungewöhnlich besetzte Quartett – drei Bläser, ein Schlagzeuger – ist in seiner Annäherung an Dylan unberechenbar und im besten Sinne schräg, spielt Marsch und Walzer, Blues oder Cool Jazz und liebäugelt auch mit Free Jazz. Auf zwei Alben ist diese etwas andere Form einer Dylan-Hommage bislang dokumentiert. Während das erste (»Roads, Doves And Other Stuff«) aus dem Gesamtrepertoire des Meisters schöpft, konzentriert sich das zweite voll und ganz auf den Meilenstein »Blonde On Blonde«. Es erschien pünktlich zu Dylans 75. Geburtstag am 24. Mai 2016. Geblieben ist der Zugang: Man muss wieder sehr genau hinhören, um die Stücke des Originals zu erkennen, darunter natürlich auch eine Bearbeitung des Songs, der dem Quartett seinen Namen gab.

Für Alexander Beierbach ist damit die Reise in das musikalische Universum Bob Dylan noch längst nicht zu Ende. »Ich würde das gern fortsetzen. Ich hätte zum Beispiel tierisch Lust auf eine Live-Platte. Es gibt genügend Arrangements und Stücke in unserem Programm, die noch nicht auf CD sind.«

Man darf auf den Auftritt des Quartetts in Leer also sehr gespannt sein. Für Dylanologen eigentlich ein Muss. Mit dabei sein wird auf alle Fälle ein Team von Radio Bremen, um das Konzert mitzuschneiden.

»Es ist ja immer so eine Sache, Dylan in Jazz zu übersetzen. Doch mit mehr Spaß, Süffisanz und Hingabe als die vier Musiker das getan haben, ist die Umsetzung dieser ehrgeizigen Aufgabe kaum möglich. Das ist mitreißend, lustig und niemals flach. Ein Tribut, der diesen Namen verdient.«
Wolf Kampmann, Musikkritiker